Arbeiten im Wüstenstaat

Fire Safety Watch im Wolkenkratzerjungle Dubai

TAG 893

Sonnenaufgang im Bezirk Business Bay nahe Dubai’s Down Town Stadtteil.

Guten Morgen liebes Deutschland.

Lasst uns heute mal in neues aber trotzdem bekanntes Terrain abtauchen. Der Fire Safety Watch oder zu deutsch Brandsicherheitsdienst. Ich berichtete bereits einmal über eine FSW, die ihr hier nachlesen könnt. Hier klicken

Da wir als Expats immer unter EFRC LLC gebündelt waren und nur die Firma selbst der Polizei gehörte, gab es für uns auch flexiblere Wege andere Projekte und Aufgaben zu betreuen. So auch in diesem Fall. Konkret ging es dabei um ein Hotelkomplex-Projekt gelegen am Tor zum Stadtteil „Down Town“ in Dubai. Wenn man’s genau nimmt: Fischen im Teich des Nachbarn. Generell gab es auch hier die „mein Feuer, dein Feuer“ Mentalität, zwar nicht direkt unter AD Police aber wer schon länger mitliest, der weiß wie verworren das hier alles war. Neben AD Police mit seiner „Quick Intervention Unit“, der Civil Defense Abu Dhabi oder Civil Defense Dubai usw.


Das Projekt

Emirat Dubai. Inzwischen wird sehr viel auf die kommende Expo 2020, deren Ausrichter Dubai ist, geblickt und auch die Hotelindustrie versucht mit ihren Kapazitäten nachzuziehen. Unser Projekt ergab sich dadurch, dass ein 3 in 1 Mega Hotel aus dem Boden gestampft wurde und von Seiten des Investors sehr darauf gedrängt wurde, das Hotel in einem Soft-Opening schon vorher zu eröffnen. Die Hotels gliederten sich wie folgt:

Das Westin (unser Einsatzort und größte Part des Komplexes) Klicke hier

Das W (Double U ausgesprochen) klicke hier

 Das St. Regis klicke hier


Das ganze liegt am heutigen „Dubai Creek“ den es damals zu meiner Zeit dort noch gar nicht gab und wobei es sich um einen künstlich angelegten Wasserlauf im XXL Format handelt. Wie ihr also seht folgte alles hier einem Großen Flächennutzungsplan und einem Gesamtentwicklungsplan der Region zur touristischen und wirtschaftlichen Erschließung des Arials.

Dubai versucht den touristischen Industriezweig stark auszubauen um unabhängiger vom Öl zu werden, was dem Land durch niedrige Barrel-Preise gerade wieder zu schaffen macht.

Hier nun mal ein Einblick in das heutige Flussbett und zu meiner Zeit Baugrube. Die E11, die am Hotel und durch die Stadt verläuft, wurde schlichtweg mit einer neuen Brücke versehen und auch die Bahnstrecke wurde angepasst. Da ist man in Dubai doch sehr pragmatisch und es wird einfach umgesetzt. Demnächst folgen noch Bilder zum fertigen Flusslauf.


Und nun zu dem, um was es hier eigentlich geht: Die Hotelanlage, die der AL Habtoor Group gehört und früher an den Start gehen wollte, hatte von der hiesigen Aufsichtsbehörde und der Civil Defense Dubai unter der Auflage einer ständigen 24/7  Fire Safety Watch das OK für die Eröffnung bekommen. Dies war unsere Legitimation für dieses Projekt, sowie das unsere Firma den Zuschlag bekam. Ich glaube aber auch das wir einer der wirklich einzigen Anbieter im Land waren, die Personal in dem Fachgebiet stellen konnte. Warum erzähle ich hier eigentlich so viel über einen simplen Brandsicherheitsdienst. Ganz einfach, weil er so gar nicht in das Bild passte, was wir hier in Deutschland normal erleben.

Unsere Schicht war standardisiert 48 Stunden lang und wurde aus 1+8 gestellt. Im genaueren aus einem Schichtleiter (diesen Part habe ich als Gruppenführer übernommen) und 8 Feuerwehrmännern. Untergebracht waren wir, haltet euch fest, in Hotelzimmern dieses 5 Sterne Hotels! Ich als Schichtleiter hatte ein Einzelzimmer, was auch gleichzeitig als mein temporäres Büro diente zur Schichtübergabe und Einteilung der Dienste und Gruppen. Die 8 Feuerwehrmänner waren jeweils in 2 Trupps unterteilt und damit in 4 Schichten eingeteilt die insgesamt 12 Zeitfenster in 48 Stunden abdeckten. Jeder Trupp musste somit 3 Schichten absolvieren und hatte dazwischen Ruhephasen. Die Trupps teilten sich ein Zimmer. Wohlgemerkt, dass zu diesem Zeitpunkt eine Übernachtung in diesem Hotel pro Nacht ca. 500€ kostete – in unserem Fall x 2 Nächte! Anbei noch auch nochmal ein Foto vom Blick aus dem Zimmer auf das höchste Gebäude der Welt – Dem Burj Khalifa. Man hätte sich daran gewöhnen können.

Auch beim Essen ging es heiß her, denn dadurch das ein Soft-Opening praktiziert wurde und das gesamte Hotelpersonal neu war, mussten viele Sachen noch einstudiert, geübt und ausprobiert werden. So kam es, dass man uns während unserer Schichtzeiten genehmigte im hoteleigenen Restaurant zu dinieren. Und mit dinieren meine ich auch dinieren! Man konnte egal ob Frühstück, Mittag- oder Abendessen die gesamte Speisekarte umsonst hoch und runter bestellen. Ich habe dass mal anhand meiner Bestellungen hoch gerechnet und mit den Preisen der Speisekarte abgeglichen und kam so auf ein Volumen von knapp 450€, was ich hier in meinen Schichtzeiten an Speisen und Getränken zu mir nahm! Wie gesagt, doch ganz anders als im heimischen Deutschland 😀 und sicherlich eine einmalige Gelegenheit in einer solchen Weltmetropole an so einem Projekt mitzuwirken.

Wie ihr dem erstaunten Blick meinerseits und des meines Kollegen Ali entnehmen konntet, waren wir immer wieder entzückt und voll hin und weg, was uns hier aufgetischt wurde. Lasst uns ehrlich sein, ein Schlemmerpalast der besonderen Sorte und so versuchte ich mich an Sushi und Sashimi mit Stäbchen, Bufalla Mozzarella oder schlicht weg deutschem Apfelstrudel. Das alles umsonst, bzw. zum Genannten Gegenwert.


Genug der schönen Dinge des Lebens gefrönt. Lasst uns zu dem kommen warum wir da waren, wie wir es realisiert haben und auf was zu achten war. Der komplette obere Teil des Hotels war unfertig, im Rohbau und anderen Ausbaustufen. So gab es Stockwerke, die schon im innenausbau waren und nicht weit davon entfernt sogar Stockwerke die noch gar keine Scheiben hatten. Dementsprechend weit war auch die Löschwassrversorgung pro Stockwerk ausgebaut. Um dem entgegenzuwirken waren pro Stockwerk Feuerlöscher-Anlaufpunkte eingerichtet in Folge dessen unsere Aufgabe darin bestand, die Vollständigkeit zu prüfen sowie verstoße der Arbeitssicherheit in Bezug auf Schweißarbeiten oder ähnliches zu melden. Also all das, was zum vorbeugenden Brandschutz und der Prävention beiträgt. Im Falle eines Feuers hätten wir hier auch den ersten Interventionsschlag ausgeübt, uns aber je nach Schadenslage zurückgezogen, da wie gesagt fast immer nur Feuerlöscher zur Verfügung standen.

Auch ich tigerte ab und zu in der richtigen Ausrüstung über die Baustelle um gemeldete Verstöße zu kontrollieren und zu protokollieren und natürlich ein Auge auf meine Jungs zu werfen, ob sie auch sauber ihrem Arbeitsauftrag nachkamen.

Missstände, wie ein verbauter Kasten, der Schläuche und eine wasserführende Löschleitung beherbergten oder leere oder defekte Feuerlöscherstationen wurden im Regelbetrieb gemeldet und weiter ging’s im Schichtbetrieb. Meine Aufgabe war es, die Schichten zu planen und alle 4 Stunden für einen Truppwechsel zu sorgen, der im Hause patrouilliert. Da ich es konsequent und gewissenhaft durchgezogen habe und man auch auf Funk erreichbar sein musste, gab es wirklich nicht viel Schlaf in diesen Schichten.


Das war auch schon der allumfassende Einblick in einen BSD, wie ich Ihn bis dahin nicht kannte. Für mich ergab sich im Gesamten ein tolles Erlebnis, was mir so schnell wohl nicht mehr vor die Füße kommt und deswegen bin ich froh es gemacht zu haben. Nimm mit, was du kriegen kannst 🙂 ! Gut bezahlt wurde natürlich auch und man sprach nicht von Aufwandsentschädigungen oder ähnlichem. Ich hoffe ich konnte euch heute damit auch neue Einblicke verschaffen und freue mich schon auf den nächsten Bericht. Bis dann!

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